April 1, 2021

Es kommt oft schneller als man denkt: Noch vor wenigen Wochen konnte sich dein Vater selbst versorgen, war ein gestandener Mann, dem nichts zu viel werden konnte. Essen machen – kein Problem, den Haushalt in Schuss halten – dauert zwar etwas, aber ich brauche doch keine Hilfe!


Mit der Demenz hat sich schon vieles geändert, jede Hilfe ist willkommen, wenn anfangs auch etwas widerwillig. Aber dennoch: einem selbstbestimmten Leben steht (fast) nichts im Wege.


Natürlich hast du schon beobachtet, dass es deinem Vater schwerer fällt, den Einkauf zu erledigen. Hier und da weiß er nicht mehr, wo etwas abgelegt ist, Termine werden einfach mal vergessen.


Am Anfang wirkt allses noch ganz einfach....


Aber: Im Großen und Ganzen läuft es doch ganz gut und aufgrund deiner Betreuung werden diese kleinen „Problemchen“ locker  ausgebügelt.


Doch eines Tages ist alles anders, auf einen Schlag ändert sich dein Leben. Der erste echte Notfall, völlig unerwartet. „Was soll ich tun, das kann ich nicht leisten“ schießt es durch deinen Kopf!


Der erste Notfall kommt bestimmt - Sei vorbereitet!


Wie solltest du bei einem Nofall reagieren? Wie kannst du dich vorbereiten?
Notfälle kommen in aller Regel aus dem „Nichts“, sie treten plötzlich auf.

Weder dem Betroffenen noch dem Betreuendem ist es möglich, sich darauf einzustellen. Beide sind also völlig überrascht bzw. überrumpelt.


Daraus resultiert, dass man auch völlig unvorbereitet in diese Situation gerät, also auch keine Maßnahmen präventiv ergreifen konnte um diese Situation zu bewältigen.


Kein Notfall ist wie der andere - Dennoch kann man trainieren!


Ein Notfall könnte z.B. ein Einbruch sein. Du machst deinen normalen Besuch und findest eine offene Wohnungstür vor. Erschrocken trittst du ein und schon der erste Blick verrät dir, dass hier jemand Fremdes alles zerwühlt hat.


Dein Vater sitzt verzweifelt mitten in diesem Chaos und weiß weder ein noch aus. Er schaut dich jammernd und mit flehenden Augen an.


Nun bist du an der Reihe. Es wäre völlig falsch, nun selbst in Panik zu geraten. Das würde deinen Vater noch mehr beunruhigen. Du musst Ruhe bewahren und ausstrahlen, auch wenn es schwer fällt.

Die „SAFER-Methode“ gibt dir den nötigen Halt


Gerne wird in diesem Fall vom „SAFER-Modell“ gesprochen, ein Verhaltensvorschlag, der dich und dem in Panik geratenen Demenzkranken die bestmögliche Erstversorgung garantiert. Es macht Sinn, sich die Bedeutung der einzelnen Schritte einzuprägen, der nächste Ernstfall kommt bestimmt!


Präge dir diese Schritte ein!


„S“ steht für „Stabilisieren der betroffenen Person“
„A“ bedeutet das „Akzeptieren der Krisensituation“
„F“ ist die „Fähigkeit zum Verständnis fördern“
„E“ soll den Betroffenen wieder „Ermutigen“
„R“ ist die „Reaktivierung von normalem Verhalten“


In unserem Beispiel solltest du also als erstes stabilisierend eingreifen. Gehe auf deinen Vater zu, gehe auf Augenhöhe, versichere ihm, dass er nicht alleine ist und du dich um alles kümmern wirst.


Versuche auch, deinen Vater abzuschirmen, vielleicht in einen Raum zu gehen, der nicht betroffen ist.


Das Akzeptieren der Situation bedeutet, dass du nun alle notwendigen Maßnahmen einleiten solltest. Es hilft nicht, alles zu beschönigen („ist ja nicht so schlimm“) oder selbst in Panik zu verfallen.


Akzeptieren heißt auch, dass die Reaktion des Betroffenen nicht kritisiert wird („hättest eben besser aufpassen sollen“) sondern es gilt vielmehr, zuzuhören und gut zuzureden.


Als nächstes gilt es, das Verständnis zu fördern. Zeige dem Betroffenen klar auf, dass du die Sache im Griff hast und dich um alles kümmern wirst.


 Hilfreich ist es auch, die wahrgenommene Emotion verbal zu spiegeln. Echtes Mitgefühl („Ich sehe, dass du sehr erschrocken bist“) gibt dem Opfer Kraft und Hoffnung.

Achte ganz genau auf die Reaktion des Opfers


Achte nun darauf, was dein Vater als nächstes tun will. Manchmal gibt es Situationen, die abstrus erscheinen, etwa wenn der Betroffenen plötzlich fernsehen oder ein Spiel spielen will.


Wenn dies zur Bewältigung dieser Stresssituation dient, können solche Ablenkungen durchaus sinnvoll sein. Wichtig ist, dass es deinem Vater dabei gut geht und dessen Stresslevel sinkt.


Die folgenden Tage sind wichtig!


Die Reaktivierung von normalem Verhalten ist dann ein Prozess der folgenden Tage und möglicherweise auch Wochen. Achte also darauf, was sich verändert hat. Gibt es noch Angstzustände, nimmt die Schlafqualität ab, verändert sich das Verhalten gegenüber Nachbarn?


Hier ist gute Beobachtungsgabe gefordert. Und evt. auch professionelle Hilfe, denn so mancher Schock hat lange Nachwirkungen.


So behältst du einen kühlen Kopf!


Wichtig für dich als Angehöriger ist vor allem das Bewusstsein, dass du schnell in eine solche Situation kommen kannst. Sei also so gut wie möglich vorbereitet! Diese kleine Handlungsanleitung kann schon eine Hilfe sein. Du solltest sie deshalb immer wieder in deinem Kopf durchspielen.


So lernst du, in jeder Situation einen kühlen Kopf zu bewahren um angemessen und helfend reagieren zu können.

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