April 1, 2021

Die Pflege eines Demenzkranken ist ungeheuer anstrengend, das braucht man an dieser Stelle wohl niemandem zu sagen. Besonders, wenn du schon länger die Verantwortung für den Erkrankten übernommen hast, hast du alle Erfahrungen schon gemacht.

Ich bin am Ende…Wer hilft mir?

Du kennst das wunderbare Gefühl, wenn die Betreuung die erwünschte Wirkung zeigt und Dankbarkeit zurückkommt. Aber genauso hast du mit Sicherheit auch schon die frustrierenden Erfahrungen gemacht, die einen verzweifeln und sogar aggressiv werden lassen.

Anfangs ist man in aller Regel noch guten Mutes.

Man übernimmt gern die Verantwortung, ja man fühlt sich auch irgendwie dazu verpflichtet, alles zu geben, damit es dem dementen Familienmitglied gut geht.

Oftmals will man auch etwas „zurückgeben“, denn der Erkrankte hat viel einen selbst getan, sein „Leben geopfert“.

Ein „Abschieben“ in ein Heim kommt deshalb überhaupt nicht in Frage, schließlich weiß man doch, was zu tun ist und so schwer kann das ja nicht sein. Vielleicht erholt sich Mutti ja auch wieder…

Der Betreuungsaufwand wir häufig unterschätzt!

Mit der Zeit wird einem erst bewusst, was man sich da aufgebürdet hat.

Es sind nicht nur die vielen frustrierenden Erlebnisse, das „Gegen eine Wand reden“, die Fehlversuche, wieder etwas Normalität in den Alltag zu bringen.

Hinzu kommen noch die körperlichen Anstrengungen.

Sei es bei der Hilfestellung für die erkrankte Person oder einfach deshalb, weil man zusätzlich zum eigenen Leben sich auch noch um das Leben eines anderen kümmern muss.

Wer fühlt sich vernachlässigt?

Und wer hilft im eigenen Haushalt? Kümmert sich um Kinder und Partner?

Zuerst sind es nur Streitereien, aber mit der Zeit fühlen sich Familienangehörige unter Umständen vernachlässigt und schlecht behandelt. Das kann zu echten Problemen führen!

Ich beschreibe diese Situation deshalb sehr drastisch, weil ich weiß, dass es vielerorts tatsächlich so ist, aber gleichzeitig sicher bin, dass es so nicht sein muss!

Das Resultat: Körperliche und seelische Überlastung!

Denn sehr häufig endet diese extreme Doppelbelastung in einer seelischen und körperlichen Überforderung, die dann in einer Resignation endet, was für alle Beteiligten ein echtes Drama sein kann.

Wie kannst du also alles „unter einen Hut“ bringen, eine fürsorgliche „Pflegerin“ sein und dabei gleichzeitig dein Privat- und Berufsleben positiv gestalten?

Ganz pauschal gesagt: Achte auf dich!

Du bist die wichtigste Person in deinem Leben!

Sieh dich selbst als die wichtigste Person in deinem Leben! Du bist die, die den Laden am laufen hält! Wenn du nicht mehr funktionierst, geht alles „den Bach runter“!

So ähnlich wie in einem Flugzeug, wo auch immer gesagt wird, dass sich jeder zuerst die Atemschutzmaske aufsetzen und erst dann anderen helfen soll, musst du auch deine Hilfestellung in dieser ganz speziellen Situation begreifen.

Denn erstens musst (und willst) du eine starke Stütze sein, und zweitens hast auch ein Recht auf ein erfüllendes Leben!

Helfe zuerst dir selbst!

Mache dir das bewusst, es ist wichtig und die Basis für alle weiteren Schritte!
Es klingt so einfach, aber für viele Angehörige ist dieser erste Schritt schon ein ganz schwerer.

Was kannst du also ganz konkret tun?
  • Nimm Hilfe an! Vielen von uns ist es unangenehm, andere um Hilfe zu fragen. Es erscheint ja alles so klar, warum sollten denn andere mehr wissen?
    Dem ist nicht so, es gibt so viele Probleme, die du vielleicht noch gar nicht kennst, die aber, wenn sie denn auftreten, schnell gelöst werden müssen.
    Da alles schon einmal da gewesen ist, gibt es viele Institutionen und Ratgeber, die dir gerne helfen. Wir haben dazu für dich eine Liste zusammengestellt, die wir dir gerne immer aktualisiert zukommen lassen.

  • Nimm dir Auszeiten! Du musst zwischendurch mal deinen Kopf wieder klar bekommen. Das kann ganz einfach sein, doch meistens kommt man im Eifer des Gefechts nicht von alleine drauf. Zudem plagt das schlechte Gewissen: Darf ich wirklich ausgehen, obwohl meine Mutter demenzkrank im Bett liegt?
  • Ja, du darfst! Ja, du musst (wenn es dir gut tut)!
    Wann hast du dich zuletzt um dein Hobby gekümmert?
    Wann bist du mit Freunden ausgegangen?
    Denkst du an deinen eigenen Körper und machst Entspannungsübungen?
    Ist es nicht eine Freude, mal wieder shoppen zu gehen und dich selbst zu belohnen?

    Denke an die kleinen Sachen, die dir gut tun! Genieße sie! Anschließend bist du der beste Pfleger überhaupt!
  • Vertraue externen Helfern! Oftmals werden externe Kräfte nicht herangezogen, weil man nicht glaubt, dass diese einen guten Job machen. Außerdem: was soll ein Fremder im Haus, ich schaffe das doch wohl alleine!
    Ein bisschen falscher Stolz gemischt mit schlechtem Gewissen spielen da ganz sicher eine Rolle. Hinzu kommen natürlich manchmal auch finanzielle Restriktionen.
     
    Spring über deinen Schatten! Wenn du die Gefahren, die übertriebene Fürsorge (s.o.) mit sich bringt, erkannt oder erlebt hast, solltest du nicht zögern, externe Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Zusammenfassen kann man festhalten, dass du die erste Person bist, die dir helfen kann. Wenn du das beherzigst und die richtigen Schritte einleitest, wirst du gestärkt aus dieser Situation herausgehen.

Die Liste der institutionellen Helfer erhältst du hier.

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