April 4, 2021

Entscheidungen treffen - aber wie?

Als Angehöriger hat man es nicht leicht. Die psychischen und physischen Belastungen sind extrem hoch und werden immer mehr. Egal ob Betreuung zu Hause oder in einer Residenz - als Angehöriger bist du irgendwie für alles verantwortlich oder zumindest mitverantwortlich.


Vieles ist völlig anders und ganz neu für dich, denn du musst eine Reihe von Entscheidungen treffen. Das machen wir alle zwar täglich völlig problemlos und ganz unbewusst. Aber im Fall einer großen Verantwortung gegenüber einem anderen Menschen, dem du auch noch sehr nahe stehst, übt diese Situation einen ganz anderen Druck aus.


Auch in diesem Fall sind längst nicht alle Entscheidungen von höchster Relevanz und nicht alle kannst du allein treffen. Aber jede Entscheidung zerrt an den Nerven, macht dir unter Umständen ein schlechtes Gewissen, erfordert Gespräche mit Andersdenkenden, braucht Zeit.


Entscheidungsschwäche führt  zu Verzögerungen!


Am schlimmsten ist es, wenn Entscheidungen herausgezögert werden und damit dem Wohl des Erkrankten evt. entgegengewirkt wird. Zudem entsteht sehr häufig Streit und Unmut im Kreise der "Entscheidungsträger", sei es innerhalb der Verwandtschaft oder auch mit den Ansprechpartnern in der Pflege, der Residenz oder bei Ärzten.


Dabei hilft schlechte Laune und Streit am wenigsten! Vielmehr geht es doch darum, eine für die Gesamtsituation bestmögliche Entwicklung zu verursachen bzw. zu beschleunigen. Das geht aber nur mit klaren Entscheidungen, hinter denen idealerweise alle oder mindestens die Mehrheit stehen.


Aber auch wenn dem nicht so sein sollte und es keinen Mehrheitsbeschluss erwirkt werden kann, darf das nicht zu Lasten deiner eigenen Gesundheit gehen, denn die sollte dir, wie schon an anderer Stelle angeführt, an oberster Stelle stehen.


Andere haben auch eine Meinung!


Es geht also im Kern darum, Entscheidungen zu treffen. Ob richtig oder falsch, darum soll es hier nicht gehen. Mache dir bewusst, dass auch andere eine Meinung haben dürfen, die vielleicht von deiner abweicht, aber dennoch zielführend sein kann.


Gerade im Umgang mit demenzkranken Menschen gibt es oftmals nicht den einen richtigen Weg, es können durchaus unterschiedliche Wege zum Ziel führen.


Wichtig ist nur, dass ein Weg gefunden wird und der dann auch konsequent gegangen wird.


Du musst also lernen, dich zu entscheiden und andere Entscheidungen zu akzeptieren. Denn wenn du das nicht verinnerlichst, besteht die Gefahr, in deinen Gedanken hängen zu bleiben und deine Urteilskraft zu verlieren. Schließlich wirst du unfähig, eine klare Position zu beziehen.

Viele Optionen sorgen für Unsicherheit


Grundsätzlich ist es für viele Menschen sehr schwer Entscheidungen zu treffen. Hauptgrund ist, dass es i.d.R. mehrere Optionen gibt, die sich alle nicht verkehrt anfühlen. Man muss also zwischen mehreren möglichen Optionen wählen, will aber die beste.


Gibt es aber keine "beste" Entscheidung, kommen Ängste auf, dass man sich falsch entscheiden könnte. Das fühlt sich einfach schlecht an.


Aber: Egal was du tun möchtest, was du erreichen möchtest - Ohne eine Entscheidung kommst du nicht vom Fleck! Ohne eine Entscheidung, ändert sich nichts! Willst du also eine Änderung erreichen, musst du eine Entscheidung treffen.


So entscheidest du richtig


Es gibt Vorgehensweisen, mit denen dir das Entscheiden leichter fallen wird. Wenn du die folgenden Ideen annimmst und umsetzt, wirst du merken, dass sich Entscheidungen besser anfühlen.

Wechsle die Perspektive


Ist dir schon einmal aufgefallen, dass viele Meinungen oder Entscheidungen nur aus dem Blickwinkel einer Perspektive getroffen werden?


Das fällt einem meist nur dann auf, wenn es von anderen kommt, also der eigene Blickwinkel vom anderen nicht betrachtet wird. Versuche, dich diesem ganz automatischen Reflex zu widersetzen. Nimm den Helikopterblick ein, schaue von oben auf das ganze Problem.


Du wirst merken, dass dieser Perspektivwechsel dir ganz neue Eindrücke ermöglicht. Plötzlich versteht man eine andere Meinung viel besser und kann Entscheidungen objektiver treffen.


Erlaube dir Mut zur Lücke


Gerade wenn es um eine Krankheit geht, von der man nicht so viel versteht, ist die Verunsicherung groß. Was ist zu tun, was ist das Beste für den Erkrankten? Woher willst du das alles wissen?


Richtig, du kannst gar nicht alles wissen!


Musst du auch nicht, denn es gibt Ärzte und Pflegekräfte, die Profis auf diesem Gebiet sind! Lerne, diesen Menschen in der Umgebung des Erkrankten zu vertrauen. Auch das ist eine Entscheidung!


Solltest du kein gutes Gefühl mit der bisherigen Auswahl haben, entscheide dich für einen Wechsel, aber hüte dich davor, alles (besser) wissen zu wollen!


Mache eine Pro-/Contra-Liste


Ein echter Klassiker! Allerdings wird er nicht immer angewandt! Warum bloß? Hat man vielleicht Angst, dass es mehr Argumente gegen die eigene Entscheidung gibt?


Gib dir einen Ruck und finde es heraus! Versuche, so objektiv wie möglich die Vor- und Nachteile einer Entscheidung aufzulisten. Wichtig: Am Ende nicht nur durchzählen, eine Gewichtung jedes einzelnen Arguments sollte auf jeden Fall mit einfließen!


Bewerte also die Argument von 1= unwichtig bis 3=sehr wichtig. Belüge dich nicht selbst und du wirst eine begründbare Entscheidung treffen können!


Entziehe dich dem Gruppendruck


Es kommt häufig vor, dass eine Gruppe für eine Entscheidung verantwortlich ist.

 Je nachdem, was für ein Typ Mensch du bist, beeinflusst das deine Entscheidungsfindung. Je nachdem, welche Art von Druck ausgeübt wird oder auch, wie und ob du überhaupt Druck empfindest, hat das großen Einfluss auf deine Entscheidungsfindung.


Das kann soweit führen, dass du deine eigenen Argumente weniger stark gewichtest als andere, nur weil du vielleicht meinst, jemanden zu enttäuschen. Versuche also, dich von diesem Einfluss zu entziehen.

Deine Entscheidung wird dadurch viel objektiver und du ersparst dir anschließend das schlechte Gewissen.


Höre auf dein Bauchgefühl


Manchmal sind die zu treffenden Entscheidungen so komplex, dass es nicht die eine richtige Entscheidung gibt oder geben kann. Zu viele Annahmen mit ungewissen Folgen sind zu treffen.


Bringen dir auch Pro-/Contralisten kein eindeutiges Resultat? Um eine Entscheidung zu treffen, solltest du dann auf dein Bauchgefühl als "letzte Instanz" hören.


Hier versammeln sich alle deine Lebenserfahrungen und Eindrücke und geben dir klare Signale. Auch wenn vielleicht nicht objektiv begründbar, solltest du auch darauf hören.


Stelle dir die Konsequenzen vor


Bei dieser Methode wagst du einen Blick in die Zukunft. Was wäre, wenn du die eine oder andere Entscheidung getroffen hättest? Wie hätte sich die Situation geändert? Was wäre das beste oder schlechteste Ergebnis? Welches bewertest du höher?


Oftmals kommt bei dieser Betrachtung heraus, dass eine Entscheidung in die eine oder andere Richtung gar nicht so eine große Relevanz hat, da die Ergebnisse nicht so weit voneinander abweichen.


Oder sie bestärkt dich zu einer Entscheidung, da der andere Weg ein deutlich höheres Risiko aufweist.


Setze dir einen Termin


Interessanterweise werden viele gute Entscheidungen erst unter Druck getroffen. Je mehr Zeit man hat, je mehr man meint, andere noch auf jeden Fall mit einbeziehen zu müssen. desto schwieriger wird es, zu einer sich gut anfühlenden Entscheidung zu kommen.


Oftmals sind dies tatsächlich nur Ausreden, weil man selbst zu feige ist, eine klare Entscheidung zu treffen. Setze dir ein Zeitlimit und du wirst viel schneller zu einer klaren Meinung kommen!


Entscheide du - sonst macht es anderer!


So oder so: Entscheidung betreffen immer die Zukunft. Niemand kann exakt vorhersagen, ob eine Entscheidung 100% richtig ist oder ob man denn doch etwas anderes hätte machen können.


Selbst wenn das Ergebnis deiner Entscheidung nicht den gewünschten Erfolg bringt, weißt du auch dann nicht, ob ein anderer Weg der bessere gewesen wäre.


Du darfst dir sicher sein: Eine getroffene und umgesetzte Entscheidung ist immer besser als ein Leben mit dem ständigen Gefühl, endlich eine Entscheidung treffen zu müssen!


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