April 1, 2021

Diagnose bringt Gewissheit!


Es ist soweit, der Verdacht der Demenz erhärtet sich immer mehr – Nur ein Arztbesuch und eine medizinische Diagnose kann die Gewissheit geben.
Aber wie läuft eine solche Diagnose ab? Was wird eigentlich getestet? Kann ich das dem Erkrankten wirklich zumuten?


Ja, du kannst, und du musst es sogar. Denn erstens kannst du nur bei Gewissheit die nächsten Schritte einleiten, und zweitens kann ein frühzeitiges Erkennen der Krankheit dem Erkrankten ein Herauszögern des Verlaufs der Krankheit und damit noch viele schöne Lebensmomente bescheren.


Zuerst steht der  Besuch beim Neurologen und ein ausführliches ärztliches Gespräch , die sogenannte Anamnese, an. In diesem Gespräch teilt der Patient seine Krankheitsgeschichte zu allgemeinen Aspekten (z.B. Vorerkrankungen und Operationen) und seine jetzigen Beschwerden mit.


So erhält der behandelnde Arzt wesentliche Hinweise und Ansatzpunkte für weitere Untersuchungen.


Neurologische Untersuchungen sind die Basis


Dann folgt eine neurologischen Untersuchung. Sie bildet die Grundlage jeder neurologischen Diagnostik. In den meisten Fällen kann sogar eine richtungsweisende Verdachtsdiagnose gestellt werden. Weiterführende so genannte apparative Untersuchungen (z.B. Ultraschall, EEG, EMG, CT, MRT) sollten daher immer erst im Anschluss erfolgen.


Mit dieser neurologischen Untersuchung wird der Patienten „auf Herz und Nieren“ durchgecheckt. Auf eine kurze allgemeine internistische Untersuchung folgt das Untersuchen der Hirnnerven, die Prüfung der Reflexe, die Testung der Muskelkraft und der Bewegungsabläufe.


Jeder Neurologe folgt eigener Methodik


Anschließend erfolgt die Sensibilitätsprüfung, die Untersuchung der vegetativen Funktionen und die Feststellung des psychischen Befundes. Eine festgelegte Reihenfolge gibt es dabei nicht, jeder Neurologe geht die einzelnen Schritte nach seiner eigenen Methode durch. Teilweise werden Tests hinzugefügt oder auch weggelassen.


Schon die genaue Beobachtung des Patienten hilft dem Neurologen zu erkennen, ob z.B. das Gangbild oder die Haltung gestört ist oder eine Störung der Gleichgewichtsfunktion vorliegt.

Dieser, auch „Inspektion“ genannte Vorgang, dient auch dem Erfassen von Verletzungsfolgen und Veränderungen der Haut.
Grundsätzlich  werden  die Herzfunktion und die großen Halsgefäße sowie die Arm- und Fußpulse untersucht.


Untersuchung der Hirnnerven


Hierbei achtet der Neurologe besonders auf die Fähigkeit zu sehen, zu riechen, zu schmecken und das Hören, auf Augenbewegungen, Gesichtsmimik, Schlucken und Sprechen.


Der Mensch besitzt 12 Hirnnerven. Bei Hirnerkrankungen oder Verletzungen kann die Funktion dieser Nerven gestört sein. Da jeder Hirnnerv eine ganz bestimmte Aufgabe hat, kann diese mit Funktionstests überprüft werden. Als Beispiel können dienen der Gesichtsnerv (Nervus facialis), der geprüft wird indem der Patient Grimassen schneidet.


Für den Riechnerv werden verschiedene Aromastoffe (z.B. Kaffee, Bittermandel) eingesetzt, für das Schmecken Salz und Zucker. Das Hörvermögen wird orientierend mit der Stimmgabel geprüft.


Prüfung der Reflexe


Reflexe sind unwillkürlich ablaufende Reaktionen des Nervensystems auf einen Reiz. Mit Hilfe eines Hammers kann der Neurologe die so genannten Muskeleigenreflexe oder Muskeldehnungsreflexe (z.B. Achillessehnenreflex oder Patellarsehnenreflex) auslösen, d.h. die reflexartige Kontraktion des Muskels auf eine plötzliche Dehnung.


Bei den Fremdreflexen betreffen Reizort und Reizantwort verschiedene Strukturen (z.B. Bauchhautreflexe). Bei diesen Tests achtet der Arzt v.a. auf Seitenunterschiede.


Untersuchung des motorischen Systems


Hierbei beurteilt der Neurologe den gesamten Bewegungsapparat (Wirbelsäule, Gelenke, Gliedmaßen) und die Muskulatur. Mit dieser Untersuchung kann man z.B. eine verminderte Muskelkraft oder eine Muskellähmung erkennen.


Zunächst prüft der Arzt passiv die Beweglichkeit der Gliedmaßen, d.h. der Patient lässt sich bewegen ohne aktiv beteiligt zu sein. Beim Untersuchen der groben Kraft werden Arme und Beine anschließend gegen einen Widerstand bewegt, um somit deutlich kraftgeminderte Muskeln oder Seitenunterschiede beurteilen zu können.


Durch Halteversuche (Arm- oder Beinhalteversuch), z.T. mit geschlossenen Augen, kann der Neurologe wichtige Informationen auf latente (d.h. noch nicht ausgeprägte) Lähmungen z.B. nach einem Schlaganfall erhalten.


Aber auch das Prüfen der Feinbeweglichkeit ist sehr aufschlussreich. Kann ein Patient z.B. nicht mehr Knöpfe schließen oder nicht mehr richtig schreiben, kann dies mitunter der einzige Hinweis auf eine zentrale (d.h. im Gehirn begründete) Lähmung sein.


Der Muskeltonus wird geprüft, indem der Arzt die großen Gelenke (Kniegelenk, Ellbogengelenk) langsam und schneller hin- und herbewegt.


Prüfung der Koordination


Mit Hilfe dieser Untersuchung kann sich der Arzt ein gutes Bild vom Zusammenspiel mehrerer Muskeln machen. Dazu bedient er sich u.a. so genannter Zielversuche, bei denen der Patient z.B. im großen Bogen den Zeigefinger zur Nase führen muss (Finger-Nase-Versuch). Es wird beobachtet, wie der Patient stehen und gehen kann, auch mit geschlossenen Augen, wie er rasche Bewegungsabläufe meistert. Auch Schreiben und Sprechfunktion gehören dazu.


Sensibilitätsprüfung


Bei dieser Untersuchung erhält der Neurologe Aufschluss über Schmerz- und Temperaturempfinden sowie über Druck- und Berührungswahrnehmung. Durch Reizung der Haut sucht der Arzt nach Störungen der so genannten Oberflächensensibilität, durch Bestreichen der Haut mit einem Stück Zellstoff oder Watte  nach Störungen der Berührungsempfindung, durch spitze Gegenstände nach dem Schmerzempfinden.


Das Anhalten einer kräftig angeschlagenen Stimmgabel an verschiedenen Knochenvorsprüngen dient dem Überprüfen der Tiefensensibilität. Alles wird im Seitenvergleich bewertet.


Untersuchung der vegetativen Funktionen


Das vegetative oder auch autonome Nervensystem ist Teil des peripheren Nervensystems. Es ist an der Steuerung von Körperfunktionen beteiligt, auf die der Mensch normalerweise keinen Einfluss hat, z.B. Atmung, Verdauung, Puls und Schwitzen.


Die Prüfung durch Auslösung von Rötung der Haut nach Kratzreiz, Bildung von Gänsehaut und durch genaues Erfragen der Blasen- und Darmfunktion, Beobachtung der Atmung und einen kurzen Kreislauftest (Puls- und Blutdruckmessung) ergänzt.


Kognitive Funktionen


Höhere Leistungen des Gehirns werden am Beispiel von Sprache, Sprache verstehen rechnen oder Erkennen der Gestalt von in die Hand gegebenen Gegenständen geprüft.


Feststellung des psychischen Befundes


Bei neurologischen Erkrankungen kann auch der psychische Zustand des Patienten beeinträchtigt sein, sei es durch eine eingeschränkte Merkfähigkeit, verminderte Konzentration, eine geänderte Bewusstseinslage (z.B. Schläfrigkeit) oder eine veränderte Grundstimmung.


Im Rahmen einer neurologischen Untersuchung überprüft der Arzt daher regelmäßig geistige und seelische Funktionen gegebenenfalls mit Hilfe von Gedächtnistests.


Weitere Untersuchungen


Je nach Beschwerdebild kann der Neurologe zusätzliche Untersuchungen veranlassen, um die Diagnose zu sichern wie z.B. Labortests (Blut, Urin, Hirnwasser), Ultraschall, Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder Elektroenzephalografie (EEG) Elektromyografie (EMG), evozierte Potentiale (EVP), Elektrookulografie (EOG) u.a.


Du merkst, die Diagnostik ist sehr komplex und betrachtet viele Einzelfaktoren. Die Krankheit hat einfach Auswirkungen auf den gesamten Körper und führt zu vielerlei Beeinträchtigungen. Dabei ist es völlig unabsehbar, ob und wann jede davon auch wirklich eintritt.


Mit einem kleinen Test - dem MMST, den du dir HIER runterladen kannst - kannst du dir ein erstes Bild machen um dann entsprechende Folgeschritte einzuleiten.


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